Indien – Ein Land ohne Geld (Der Start)

Indien ist chaotisch.

Hab auch einen perfekten Zeitpunkt erwischt. Ich bin gelandet und just an diesem Tag gibt der Prime Minister bekannt, dass die grossen Scheine (so wie bei uns 20-500 Euro) nicht mehr gueltig sind. Ziel: Schwarzgeld ungueltig machen. Fairer Gedanke. Viele korrupte Beamte haben Bestechungsgeld in grossen Scheinen daheim liegen. Insgesamt wohl Milliarden. Das war sofort ungueltig. Mit der Entscheidung waren auch alle ATMs und Banken fuer 3 Tage geschlossen. Folglich hattest du halt die 12,50 Euro, die du grad im Geldbeutel hattest, zum Leben. Oder halt auch nix, wie ich. Gelandet, alle ATMs ausser Betrieb. Ich wusste nicht, ob ich abgeholt werde und hatte keinen Cent in der Tasche mit dem ich Taxi oder Zug haette zahlen koennen. Zum Glueck stand einer von meiner Uni draussen und hat mich abgeholt. weiss nicht was ich sonst gemacht haette.

Einer im International Office hat mir dann bissl Geld geliehen, sodass ich ueber die ersten Tage kommen konnte. Obwohl er selber nicht viel hatte. Feiner Zug! Nach 3 Tagen ging hier und da mal ein ATM und hat dir ein bisschen Geld ausgespuckt. Aber der war dann immer gleich wieder leer, weil sich Schlangen gebildet haben. Und nur kleine Scheine drin waren. Du hast also 2000 Rupien in 100ern bekommen. Langt dann nicht fuer viele.

Sowieso sind kranke Schlangen vor den Banken. Hab ich noch nie gesehen. Die Inder koennen jetzt ein paar der alten scheine umtauschen. Darum haben Banken quasi ewig auf, um das zu bewaeltigen. Geld haben sie klar keines.

Gleiner Gedankensprung: Kranker Moment, wenn du aus dem Flughafen rausfaehrst und in dieses Verkehrchaos reinschiesst. Ueberall ununterbrochenes Gehupe. Autos, Rikschas, LKWs und Menschen verknaeult. An der ersten Ampel wird direkt am Fenster gebettelt. Es ist stickig, versmogt und warm. Ueberall bunte Farben, Staub und Menschen. An der Strasse stehen Palmen, an jeder Ecke ein Stand mit Obst oder Kleidung  und der Himmel ist milchig weiss. Die Inder sagen, dass waere wegen der Sonne, klar isses der Smog. Unser europaeisches Gehirn kann das garnicht alles verarbeiten. In den ersten Tagen hatte ich immer Kopfweh nachdem ich draussen war. Und dauernd diese Muedigkeit. Immerhin: es wird besser.
Ueber die Strasse gehen ist ein Abenteuer. Du laeufst halt einfach los. Und musst schauen, dass dich nix erwischt. Stell dir eine grosse deutsche Kreuzung vor. Vervierfach die Autoanzahl und verviertausendfache das Hupen und lauf mittenrein, waehrend um dich herum die Polos (hier: Rikschas) vorbeiknallen. Bin am Anfang immer mit Indern rueber, mittlerweile gehts auch so.
Der Smog ist heftig. Kommt daher, dass ueberall offene Feuer brennen. Plastik wird verbrannt. Oder der Schmied schuert an. Es wird in den Slums gekocht. Und dazu die Autos und Rikschas. Die sind ja auch alle offen und wenn du im Stau stehst, dann blaest dir der LKW nebendran die Abgase direkt ins Gesicht. Der steht uebringes auch so nah dran, wie wir einem LKW nie kommen wuerden.
Das Essen ist lecker. Wer haette es gedacht. Wir haben eine Mensa, da kostet ein Mittagessen 50 Cent. Mit allem. Dh Reis, zwei Currys und Fladenbrot. Manchmal Nachtisch. Aber wie bei uns ist das Mensaessen auch nicht ganz so gut wie im Restaurant. Je nachdem wo du bist und wer dabei ist ist es auch im Restaurant spottbillig, du bekommst immer Wasser (das du dann nicht trinken solltest. Haha). Meistens gibt es als Snacks irgendwelche Fladenbrote mit paniertem und frittiertem Gemuese, Samosas mit Chicken oder Gemuese, gefuellte Teigtaschen. Hauptgerichte sind immer mit Reis, der bissl mehr Salz vertragen koennte. Und geiles Fleisch gibts.

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An der Strasse gibt es Gemuese und Obst (auch wenn gerade Winter ist und es deshalb nicht so viel gibt). 12 Bananen kosten 50 cent. Ne Papaya 30. Ausserdem immer Kokosnuesse. Und Ananas. Leider konnte ich noch nicht so viel Essen probieren, weil das Geld knapp ist (s. oben). Das kommt aber schon noch, dann mehr.
Uni faengt nachste Woche an. Also genug Zeit zum Einleben.
Zug fahren ist lustig. Stell dir eine Rock im Park Menge vor die in einen Zug will. So ist Zugfahren meistens. Glaub die haben da auch spass dran. Und dann haengen sie halt aus allen Tueren raus waehrend der Fahrt. Dachte immer das waer so ein Ausnahmeding. Ist es nicht (http://diepresse.com/images/uploads//5/f/b/472571/u_Symbolbild_Zug_in_Indien.jpg). Koerperkontakt gehoert dazu. Es gibt aber Frauenwaggons. Und alle sind super hilfsbereit, wenn du in diesem Chaos irgendwie verloren aussiehst. Sofort ist einer, da der fragt wo du hin willst. Oder auch 5. Und eine Zugfahrt kostet: 10 cent.

So schwer kann Zugfahren aber eigentlich nicht sein. Ich also selbstsicher zum Zug. Stand auch schon da. Und fuhr gleich los. Dann halt ins naechstbeste Abteil. Alle schauen mich an. Aber der erste naive Gedanke: Naja klar, als weisser. Nach der naechsten Station kommt ein kleines Maedl mit Zahnspange und meinst: Excuse me Sir, this is a women car. Und tatsaehclich sassen da nur: Frauen. Fanden aber alle lustig. Ich hab dann Abteil gewechselt.

Maennliche Inder tragen Hemd. Wenn auch kein Schoenes. Aber Hemd. Leinen. Oder auch nicht. Bunt bis einfarbig. Aber Hemd. und Sandalen. Dachte Deutschland waer der einzige Absatzmarkt fuer Sandalen. Hier ist glaub ich der Groessere. Ausser ein paar jungen, westlich orientierten, die dann auch mal T-Shirt und Sneakers. Frauen tragen meistens iwelche Saris. Oder auch ganz normales Zeug. Aber viele Saris. Gilt natuerlich bisher nur fuer Mumbai.

Als Weisser und noch dazu Blonder wirst du hier angeglotzt. Also oft nicht mal verstohlen. Sondern Vollgas. Ein Junge im Zug hat mich geschlagene 35 Minuten mit grossen Augen angeschaut, so wie du schaust, wenn du ein Ufo siehst. Wo schaut man da hin? Zwei mal nett gelaechelt und woanders hingeschaut. Sehr ungewohnt. Aber wird schon besser. Man nimmt nicht mehr jeden Blick war nach ein paar Tagen. Und das wird denke ich noch besser. Hoffe ich. Dazu kommt dieses Fotos machen. Du laufst entspannt iwo lang, kommt einer auf die zu und will nen Selfie haben. Klar. Aber sehr ungewohnt. Und irgendwie interessant, weil sich so Minderheiten ueberall fuehlen muessen. Auch wenn man normal keine Fotos mit ihnen macht.
Weiss garnicht wie ich daheim dann mein Selbstvertrauen pushen soll, wenn mich keine Sau mehr auf der Strasse beachtet. Das wird hart!

Buerokratie wird grossgeschrieben. So viele Formulare haette ich selbst in D nicht ausfuellen muessen. Und dann bricht der Server zusammen und man faengt von vorne an. Aber: no problem. Kopfwackeln.

Sprachlich ist das wild. Teilweise. Manche auch super klar. Andere verstehst du nach 5 Mal nachfragen nicht. Ich sollte einen Ordner aufm Amt kaufen. Ok. Einen Ordner bitte. Brabbel. Wie bitte. Ich hab ihn einfach nicht verstanden. Das war aber auch kein English. Definitiv nicht. Hab die Frau neben mir hilflos angeschaut, die meinte: er sagt, du sollst 30 Rupien zahlen. Ah klar.

War auch schon mal weg. Krass. Die Bar haette uberall auf der Welt stehen koennen. Hip. Sauber. Geile westliche Musik. DJ. Alkohol, wenn auch westliche Preise. Definitiv ein Ort fuer reiche Menschen. Moneypeople wie der Hausmeister uns nennt.
Ich liebe jetzt schon diese Mearkte. Geil. Auch da wieder Sinnesorgasmus. So viel Zeug. Und so viel Menschen. Will eigentlich alles probieren. Auch wenn ich immer bissl uebers Ohr gehauen werde. Solange es nicht zu krass ist finde ich das ok.

Grade beim Fruehstueck haben die Affen angegriffen. Die leben bei uns auf dem Campus. Und sind brutal frech. Kommen halt dauernd her und wollen dir was klauen. Und da sind BABYAFFEN.

 

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7 thoughts on “Indien – Ein Land ohne Geld (Der Start)

  1. I did not realize it is your blog until I see the food picture! The blog cracked me up!
    that is bad luck, they don’t allow people to bring the rupees in and out of India!
    Enjoy the fame while you can buddy! see you in a few weeks time!
    -Zach-

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  2. Genial Basti,
    Macht richtig Spaß den Text zu lesen!! Freu mich schon auf die nächsten lustigen, aufregenden und interessanten Berichte 😉

    Passt auf euch auf und genießt die Zeit!

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  3. Man man man… ich hab gar nicht gecheckt, dass man hier antworten kann =)
    Genieß die Zeit und ess so viel du kannst, auch wenn diese kleinen Zwerge, die über Nacht die Hosen enger nähen in Indien echt weit verbreitet sind 😉 Aber scheiß drauf, Indien ist nur einmal im Jahr!
    Zach, take me with youuuu! Please! =)
    Namaste!

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