Aus dem Land der Könige, und was auf ihren Toiletten passiert

Rajasthan ist ein Bundesland in Indien. Relativ trocken, dadurch arm. Es kommen aber ziemlich viele Touristen, weil es angeblich das Indien ist was man sich so vorstellt. Ging mir nicht so. Hab mir Indien nie richtig vorgestellt. Jedenfalls gibt es unglaublich viel alten Stein, viele trockene Landschaft. Und viele bunt gekleidete Menschen. Und jede Stadt hat ihren eigenen König. Auch nicht schlecht. Da gab es früher mehr Herrscher, die sich gegenseitig auf die Mütze geben konnten. Und alle haben sie gebaut wie die Weltmeister. Paläste. Und Forts. Und wichtig, Tempel. Man will ja die da oben nicht vergraulen. Die da oben, das sind übrigen 33 Millionen. Übern Daumen geschätzt denke ich.

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Einige von den Gebäuden sind sehr beeindruckend. Entweder unglaublich groß und pompös. Oder super detailliert gearbeitet. Oder beides. Trotzdem, nach dem vierten Fort und dem drölften Tempel kommt nicht mehr viel Neues dazu. Es ändert sich noch der Name des Erbauers: von Ranjit Irgendwas Singh zu Rama Irgendwas Singh. Der Rest bleibt gleich.

Herausgestochen hat das Taj Mahal. Natürlich, sagt ihr. Meine Erwartungen waren nicht so groß, nachdem ich viele “Sehenswürdigkeiten” in Indien gesehen habe, die alles andere als sehenswert waren. Das Taj Mahal ist es. Majestätisch. Und trotzdem unglaublich fein gearbeitet. Kann man mal bauen, für seine Frau. Gut, die hat auch ihre Pflicht erfüllt und einen Sohn zur Welt gebracht. Nur fair also.

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Ja, man merkt allerdings auch, dass man auf Touristenpfaden wandelt: Ich habe noch nirgends so freche Preise und Forderungen gehört wie auf dieser Reise. Zwei kleine Beispiele, die mich echt wütend gemacht haben. Wir wollen an einem Straßenstand Wasser kaufen. Kostet überall 20 Rupien die Flasche. Maximal 30. Kommt so ein kleiner Straßenjungefratz an, der aber eigentlich ganz frisch aussah und sagt, bevor der Verkäufer was sagen kann: 50 Rupien. Als wir dann das Wasser für 20 Rupien gekauft haben, läuft er uns hinterher und will 200 Rupien haben. Wenn man was spendet, dann normal so 10-20 Rupien. Aber man kann ja mal nach dem 10-fachen fragen. Nachdem man die Leute davor beim Einkaufen verscheissern wollte. Fand ich schon gewagt.

Und zweitens ein Security-Mann in einem Alten-Stein-Gebäude. Kommt ungefragt her und erzählt uns wie viele Fenster das Gebäude hat. Danke, seh ich selbst. Und das die Fenster dazu da sind, damit Licht reinkommt. Ein schlauer Mann! Der dann noch ein Foto von uns gemacht hat. Wir geben ihm also ein kleines Trinkgeld. Hat ja auch hart gearbeitet. Ungefragt. Und was macht er? Er sagt, das wäre ihm zu wenig. Da musste ich mich schon sehr auf den Yoga Punkt zwischen meinen Augen konzentrieren, um nicht böse zu werden.

Klar sind das für uns kleine Beträge und wir mögen super reich sein in Indien. Trotzdem ist es super unangenehm so sehr aufs Geld reduziert zu werden. Da ist kein echtes Lächeln und kein echte Gespräch mehr, sondern nur noch eine klitzekleine “Dienstleistung” um Kohle fordern zu können. Und manchmal nicht mal diese “Dienstleistung”. Und genau das ist Trinkgeld ja irgendwie: Man ist zufrieden mit dem was man bekommen hat.

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Holi in Indien war super. In Europa verbindet man das Ganze ja mit Farben schmeißen und Party. Es hat sich herausgestellt, dass es hier ganz anders gefeiert wird. Nämlich eher als Ritual Freunden und Verwandten Glück zu wünschen. Oder wildfremden Menschen. Man trifft sich auf der Straße, wünscht sich alles Gute und schmiert sich Farbe ins Gesicht. Alles sehr gesittet und nett. Die Kinder randalieren derweil ein bisschen mit Farbbeuteln, Wasserbomben und Spritzpistolen.

Überrascht hat uns außerdem etwas Verrücktes: Regen. Bezeichnenderweise in der Wüste. Erst 17 Tropfen auf der Windschutzscheibe. Dann aber ein ganzer Nachmittag Vollgas-Regen. Ungewohnt. Aber schön. Ist gleich irgendwie gemütlich geworden, ein Gefühl, das in Indien sonst nicht so präsent ist.

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Durchaus präsent ist eine andere Situation. Ist mir diesmal auf den royalen Toiletten passiert. Aber es war nicht das erste Mal. Wir stellen uns also vor: Eine Herrentoilette. Kennt man ja. Mehrere Stehbecken nebeneinander. Abgetrennt durch einen niedrigen Sichtschutz. Du gehst also in diese Toilette und als du durch die Tür trittst, schwappt dir eine Welle Geruch in die Nase wie ihn Festival-Toiletten im Höchststand nicht produzieren können. Noch nie davor so einen Brechreiz-Geruch gerochen. Also umstellen auf Mundatmung und rein da. Wie immer alles belegt, man wartet also kurz. Als man dann an der Reihe ist und auspackt, bemerkt man schon ein Kopfwenden rechts und links. Normalerweise ist die Wand geradeaus ziemlich interessant und wird von allen intensiv begutachtet. Was dann folgt sind viele überhaupt nicht unauffällige Versuche, am Sichtschutz vorbei zu schauen und ja, zu sehen wie das da unten bei einem weißen Menschen aussieht. Hallo! Ich sag mal so: Ein gesundes Interesse an anderen Menschen und der Anatomie ist ja wünschenswert, aber man kann es übertreiben. Zurückstarren hilft nicht. Sichtschutz auch nicht. Dann muss es dir halt wurscht sein. Zeigt mal wieder, dass hier ein anderer Höflichkeitsabstand gilt als bei uns.

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